Der Muslim Markt von Yavuz Özoguz hetzt weiter

Anmerkung: Alle Zitate aus diesem Beitrag entstammen dem Artikel Iran pokert nicht von Yavuz Özoguz.

Poker ist ein menschenverachtendes Spiel, das Feindschaft schürt und ein hohes Suchtpotential beinhaltet [...]

Kurz zusammen gefasst ist Poker ein absolut unmenschliches “Spiel“, in dem die Spieler nur ein Ziel verfolgen: dem Gegner sein Eigentum abzunehmen, ohne jegliche Gegenleistung dafür zu erbringen! Da bestenfalls jene Zwangsenteignung durch Zufall, schlimmstenfalls durch Betrug erfolgt, ist das Spiel im Islam verboten.

Poker ist menschenverachtend und gar unmenschlich, weil es den Faktor Glück beinhaltet? Was ist mit Mensch-ärgere-dich-nicht und diesen teuflisch-launischen Würfeln? Oder Billard? Selbst einem Amateur wie mir gelingen dabei bisweilen glückliche Stöße, die das ganze Spiel kippen. Unmenschlich?

Oder ist Poker etwa menschenverachtend und unmenschlich, weil es bei gefährdeten Menschen Suchtpotential entwickeln kann? Dann sind Ihre Worte aber reichlich hart gewählt, Herr Özoguz. Schließlich würde niemand Kaffee oder die morgendliche Dusche als menschenverachtend und unmenschlich bezeichnen – nicht einmal Zigaretten, die im Gegensatz zu Koffein oder Poker in 100% der Fälle zur Sucht führen und auch die Gesundheit des Betroffenen schädigen statt nur seinen Geldbeutel.

Möglicherweise finden Sie jedoch einfach den Aspekt Geld an diesem Kartenspiel menschenverachtend und unmenschlich. Das richtige Adjektiv wäre auch in diesem Fall wahrscheinlich eher "bedenklich" oder "potentiell gefährlich" gewesen, als die von Ihnen gewählten Moralkeulen.

Es gibt genug Menschen, die Poker oder ein anderes Kartenspiel in ihrer Freizeit zusammen mit Freunden oder Verwandten genießen. Dabei geht es entweder um Einsätze von wenigen Cent / Euro oder einfach um Pokerchips, die nach dem Spielabend wieder in der Schachtel verschwinden.

Vielleicht entgeht Ihnen aber auch einfach die Ironie, wenn Sie auf der einen Seite mit vielen ausschweifenden Artikeln den Holocaust-Leugner Mahmud Ahmadinedschad und sein Regime preisen, das Menschen für freie Meinungsäußerung verprügelt und Oppositionelle ermordet, und auf der anderen Seite ein Kartenspiel als menschenverachtend und unmenschlich bezeichnen. Wäre das Thema nicht so ernst, ich hätte geschmunzelt!

Zwar könnte man argumentieren, dass jeder Spieler “freiwillig“ mitspielt, aber würde jemand das verlustreiche Ergebnis seines Spiels kennen, würde er nicht mitspielen. Insofern liegt hier ein gewisser Zwang vor, der die Menschen zu Unmenschen machen lässt, zumindest am Pokertisch.

Es gibt keine höhere Macht, die unbedarfte Menschen an den Pokertisch zwingt. Nicht einmal im Iran.

Was es jedoch gibt, sind Pokerprofis, die spielen, obwohl sie das verlustreiche Ergebnis [des] Spiels kennen. Für diese Menschen ist das eine einfache Kosten-Nutzen-Rechnung: für 500 € Startgeld kann ich auf diesem Turnier antreten und muss unter die ersten 16 kommen, um mit einem Plus im Geldbeutel nach Hause zu gehen. Eine freie Entscheidung von freien Menschen – keine menschenverachtende Bestie, dieses Kartenspiel.

Merkwürdigerweise funktioniert westliche Politik mehr oder minder genau nach jenen Prinzipien, wie sie vereinfacht im Poker wieder zu finden sind. [...] Wenn z.B. ein vermeintlich schwächerer Gegner sich nicht ergibt, [...] dann vermuten die Pokerberichterstatter, dass jemand “blufft“, oder den Preis hoch treiben will [...]. [Sie] können sich einfach nicht vorstellen, dass jemand von Anfang an mit “offenen Karten“ spielt. Das ist außerhalb der Vorstellungskraft von Casino-Politikern und Table-Dance-Berichterstattern, die glauben, dass jeder Mensch letztendlich käuflich sei.

Die westliche Politik möchte den Iran bestechen und prallt an dessen unbeirrbarer, integrer Haltung ab? Worin sehen Sie einen Bestechungsversuch? Ich kann nur raten!

Etwa in dem Angebot, Uran im Ausland anzureichern? Das ist eher der letzten Versuch, dem iranischen Regime die Hand zu reichen und ihm eine Möglichkeit zu geben, aus dieser ganzen Sache ohne den in der muslimischen Welt so gefürchteten Gesichtsverlust herauszukommen. Mahmud Ahmadinedschad wird auch dieses Angebot mit monatelangem Hin-und-her vertun.

Geld wird ihm die westliche Welt nicht dafür bieten, mit dem Atomwahnsinn aufzuhören. Das wünschen Sie sich vielleicht.

Ja, das sind die Denkkategorien westlicher Politik und deren Hofberichterstattung.

Herr Özoguz, erheben Sie doch bitte für einen Moment das Haupt vom Gebetsteppich und schauen Sie aus dem Glashaus: in Deutschland ziehen keine Schwadronen prügelnd und mordend durch die Straßen auf der Suche nach regierungskritischen Menschen mit Hang zur freien Meinungsäußerung. Hier werden Medieninhalte nicht vor Ausstrahlung zensiert, keine Journalisten wegen unliebsamer Fragen und Berichte weggesperrt, und selbst das so genannte staatliche Fernsehen folgt hier nicht der aktuell regierenden Partei!

Die Führung der Islamischen Republik Iran aber pokert nicht! Sie ist auch nicht käuflich! Und die absolute Mehrheit des Volkes der Islamischen Republik Iran liebt ihre Führung und ist opferbereit. Das aber ist unvorstellbar in der Westlichen Welt.

Ob die absolute Mehrheit der Iraner nach wie vor hinter Ahmadinedschad steht, wage ich zu bezweifeln. Angesichts galoppierender Inflation und Korruption wenden sich sogar diejenigen ab, die ihn an die Macht gebracht haben: Geistliche und die arme Landbevölkerung.

Das wird allerdings keine Rolle mehr spielen, wenn die USA die Geduld mit dem machttrunkenen Egomanen an der Spitze des Iran verlieren und das Atomprogramm per Präventivschlag beenden. Und zweifeln Sie nicht daran, dass das passieren wird. Weder Israel noch die USA werden zusehen, wie der Iran unter dieser Führung an waffenfähiges Uran kommt. Wenn das passiert, wird die von Ihnen erwähnte Opferbereitschaft des Iranischen Volkes gefragt sein und es werden wie in jedem Krieg vor allem jene leiden und sterben, die am wenigsten zum Konflikt beigetragen haben.

Immer wenn irgendwo eine Wahl von denjenigen gewonnen wird, die die Westliche Welt verachten, dann wittert man Wahlbetrug (jetzt auch bei den Orangenen).

Auch hier gilt: bleiben Sie bei den Tatsachen, Herr Özoguz. Und wenn Sie diese nicht kennen: Nachrichten verfolgen. Möglichst breit gefächert, damit Sie sich nicht von einer einzigen Quelle belügen lassen.

Nicht westliche Regierungen oder Medien warfen Mahmud Ahmadinedschad nach dem Urnengang Wahlbetrug vor, sondern seine eigene Bevölkerung. Frauen und Männer in Teheran, die nicht für ihn gestimmt hatten und sich jetzt zu Recht fragen: Where is my vote? Die Frage steht bis heute unbeantwortet.

Sie erwähnen die Orangenen. Falls Sie damit auf das Ende der Orangenen Revolution in der Ukraine anspielen: auch hier stammt die Anschuldigung Wahlbetrug nicht von westlichen Medien oder Politikern, sondern der (schlechten) Wahlverliererin Julia Timoschenko.

Westliche Medien loben einhellig den fairen und demokratischen Ablauf der Wahl. Die OSZE nannte den Urnengang ein eindrucksvolles Beispiel für demokratische Wahlen. US-Präsident Barack Obama lobte den friedlichen Verlauf, die EU gratulierte nach Auszählung der Stimmen Wahlsieger Janukowitsch.

Das ist souveräner Umgang mit Demokratie, auch wenn der Wahlausgang vielleicht nicht gefällt.

Es ist für Kapitalismusanbeter nicht vorstellbar, dass es Menschen gibt, die etwas anderes anbeten; selbst wenn sie inzwischen die absolute Mehrheit angewidert von den “westlichen Werten“ abwendet, da sie nur Heuchelei und Gewaltherrschaft im missbrauchten Namen von Demokratie und Freiheit sind.

Dass sich die Mehrheit der Iraner angewidert von den “westlichen Werten“ abwendet kann ich nicht beobachten. Ich sehe demonstrierende junge Iraner auf allen Kanälen und im Internet, die sich in Blogs und Social Networks Luft machen, die genug haben von Zensur und Repression. Das ist die Zukunft des Iran – nicht die alte, verblendete Garde, der Sie vorstehen.

Für Sie habe ich auch die Definition von Gewaltherrschaft oder Diktatur parat: Die Diktatur (v. lat. dictatura) ist eine Regierungsform, die sich durch eine einzelne regierende Person, den Diktator, oder eine regierende Gruppe von Personen (z. B. Partei, Militärjunta, Familie) mit unbeschränkter Macht auszeichnet.

Auf welche Länder trifft diese Definition zu? Kuba? Nord-Korea? Die Volksrepublik China?

Jetzt wo Sie es sagen: alle diese Diktaturen verfügen über hervorragende Beziehungen zum Iran und kooperieren in Energie-, Rüstungs- und Wirtschaftsfragen mit ihm. Gleich und gleich gesellt sich gern, nicht wahr?

Inzwischen müsste es auch die westliche Hofberichterstattung zugeben: Der Iran hatte gar nicht vor – und auch noch nicht die technische Möglichkeit – Uran auf 20% anzureichern. Aber wie sollten westliche Politiker und ihre Hofjournalisten das zugeben? Haben sie nicht Jahrelang davor gewarnt, dass der Iran kurz vor der Bombe steht? Wie sollten sie jetzt ihren Lesern erklären, dass sie immer nur gelogen haben?

Wenn Mahmud Ahmadinedschad und sein Regime bereits, wie vermutet, über auf 20% angereichertes Uran verfügt: inwiefern waren Warnungen vor dem Atomprogramm dann erlogen? Der Iran ist auf dem Weg zu waffenfähigem Uran.

Niemand im Iran zweifelt daran, dass die Westliche Welt und deren Führungen über ein hinreichendes Grausamkeitspotential verfügt, um tatsächlich Atomwaffen gegen Zivilisten einzusetzen!

Der Präventivschlag gegen den Iran würde, sollte er kommen, niemals mit Atomwaffen erfolgen.

Woran ich übrigens nicht zweifele: dass Herr Ahmadinedschad über ein hinreichendes Grausamkeitspotential verfügt, mit seinen wahnwitzigen Muskelspielchen das Wohl und das Leben seiner Bevölkerung in einem Krieg aufs Spiel zu setzen.

Der erste und zweite Weltkrieg ist deren Erbe, kein muslimisches Erbe. Der Atomwaffeneinsatz in Hiroshima und Nagasaki ist durch die USA erfolgt. Aber auch heute können die Grausamkeiten in Guantanamo, Afghanistan, Irak und Palästina nur von Menschen befohlen worden sein, die jegliche Regung von Menschlichkeit verloren haben müssen! Nur Menschen, die am Pokertisch ihr eigenes Herz völlig verdunkelt haben, können die Entsorgung der eigenen strahlenden Atomabfälle in Form von Munition in fernen Ländern anordnen!

Die Weltkriege sind ein derart schreckliches Erbe der Menschheit, dass mir übel wird, wenn ein islamistischer Agitator wie Sie diese Worte in den Mund nimmt. Guantanamo in einem Atemzug zu nennen mit Afghanistan und Palästina zeugt von Ihrer undifferenzierten Betrachtungsweise – Ost gegen West, Christen gegen Moslems, Gut gegen Böse. Den 11. September erwähnen Leute wie Sie nicht, oder Selbstmordanschläge, die in Israel, Spanien, dem Irak, Saudi-Arabien und Afghanistan viele tausende Menschen das Leben gekostet haben und weiterhin jeden Tag fortgeführt werden. Weil Menschen wie Sie, Herr Özoguz, in abscheulicher Art und Weise den Kampf der Kulturen beschwören und Hass predigen statt Verständnis.

Nein, die Bevölkerung der Islamischen Republik Iran – und das werden die nächtens Tage beweisen – ist auf alles gefasst, kann sich alles vorstellen und ist zu jedem Opfer bereit, nur und nur um ihren eigenen Gott zu dienen und nicht dem Götzen Mammon.

Vielleicht sollten Sie sich mit allen Imamen dieser Welt, die Opferbereitschaft und den Hass auf den Westen predigen, aufmachen nach Teheran. Dort könnten Sie Mahmud Ahmadinedschad als menschlicher Schutzschild gegen die Amerikaner dienen. Dann wäre die iranische Bevölkerung aus der Schusslinie und müsste nicht Ihre Verblendung und die des iranischen Regimes ausbaden.

Im Namen des Erhabenen, Herr Özoguz, Sie sind ein Esel.

Anmerkung: Feedback und Kommentare wie immer gerne an die feedbackatflorianschmitt.org.

Quelle: Muslim Markt