Von Fake-Bewertungen und Selbstzensur

Das Bewertungsportal für Ärzte Jameda hat mir per E-Mail mitgeteilt, dass (nach 11 Monaten) meine Bewertung eines Arztes entfernt wird, weil der Mann sich bei ihnen gemeldet und die Echtheit der Bewertung in Frage gestellt habe.

Wir werden jedoch für andere Patienten sichtbar vermerken, dass Ihr Text leider gelöscht werden musste.

Meine Erfahrungen mit dem genannten Arzt waren unterirdisch, und erst nach Androhung von rechtlichen Schritten hat er damals aufgehört, mich auch lange nach Ende der Behandlung zu belästigen. Um das anderen Patienten zu ersparen, schreibt man solche Bewertungen. Ich zumindest.

Falls es nicht möglich sein soll, vor Betrügern oder Anbietern mit fehlender Berufsethik zu warnen – was ist der Sinn von solchen Bewertungsportalen?

In Zeiten, in denen Amazon und andere Seiten tausendfach gegen Fake-Bewertungen vorgehen, die von den Verkäufern selbst verfasst oder in Auftrag gegeben wurden, sollte man dankbar sein für jede echte Bewertung.

Und dass meine Bewertung echt und fundiert ist, hätte ich Jameda sehr gerne bewiesen. Allerdings:

Einen solchen Tatsachenbeleg kann der Verfasser im Regelfall aber nicht erbringen. Da wir für Sie und für jameda eine rechtliche Auseinandersetzung mit niedriger Erfolgsaussicht vermeiden möchten, können wir leider auch nach der Bestätigung Ihrer Bewertung nur noch die Note aber nicht mehr den Text veröffentlichen.

Eben, Jameda – wieso sollte man sich die Mühe machen?

Nachtrag vom 12.02.2013: Laut Internet-Law hat das Amtsgericht Duisburg anfang des Monats Beugehaft gegen einen Onlineredakteur von Klinikbewertungen.de verhängt, weil dieser sich weigerte, die Nutzerdaten zu einer negativen Bewertung herauszugeben. Erschreckend.